Das lang erwartete Headset unter dem Namen Pico 5 wird nicht diesen Namen tragen. ByteDance, die Muttergesellschaft von Pico, hat die Bezeichnung Pico Space Pro für sein kommendes High-End XR-Headset offiziell bestätigt. Diese Namensänderung spiegelt eine vollständige Neupositionierung wider: Die chinesische Marke zielt auf das Premium-Segment der Mixed Reality ab und konkurriert direkt mit dem Apple Vision Pro, und nicht nur um eine einfache inkrementelle Weiterentwicklung des Pico 4 Ultra.
Doppelte Chip-Architektur des Pico Space Pro: Was sich ändert
Das Pico Space Pro basiert auf einer Hardware-Architektur mit zwei separaten Prozessoren. Der erste ist ein neuer Haupt-SoC, dessen CPU- und GPU-Leistung als etwa doppelt so hoch wie die des Snapdragon XR2 Gen 2 angegeben wird, dem Chip, der im Pico 4 Ultra und im Meta Quest 3 verbaut ist.
Der zweite Prozessor ist ein eigenentwickelter Chip von Pico, der ausschließlich für Computer Vision und Bildverarbeitung vorgesehen ist. Diese Trennung der Aufgaben ermöglicht eine Systemwahrnehmungslatenz von etwa 12 ms, eine Zahl, die direkt den Komfort im Passthrough und die Genauigkeit des räumlichen Trackings beeinflusst.
Diese Strategie mit proprietärem Silicon erinnert an Apples Ansatz mit seinen spezialisierten Coprozessoren. Anstatt alle Aufgaben einem einzigen universellen Chip zu übertragen, isoliert Pico die Wahrnehmungsberechnungen in einem speziellen Bauteil. Der Haupt-SoC bleibt somit für die grafische Darstellung und Anwendungen verfügbar, ohne durch die Verarbeitung der Kameras verlangsamt zu werden.
Die ersten Rückmeldungen im Rahmen des Early Access-Programms von Pico sollten bestätigen, ob dieses Versprechen in tatsächliche Flüssigkeit umgesetzt wird. Mehrere technische Details zu der Veröffentlichung des Pico 5 auf Soyez Sport stimmen mit diesen Hardwaremerkmalen überein.

Micro-OLED-Display mit 4.000 PPI: Auflösung und Sichtfeld
Das Pico Space Pro verfügt über Micro-OLED-Displays mit einer Dichte von 4.000 Pixel pro Zoll. Die Winkelauflösung erreicht etwa 40 Pixel pro Grad, ein Wert, der den wahrnehmbaren Gittereffekt bei Headsets der vorherigen Generation erheblich reduziert.
Um dieses Auflösungsniveau einzuordnen: Der Video-Passthrough wird ausreichend klar, um Text auf einem physischen Bildschirm zu lesen, ohne das Headset abzunehmen. Pico positioniert das Space Pro außerdem als ein Gerät, das traditionelle Monitore ersetzen kann in produktiven Anwendungen, nicht nur als Gaming-Headset.
Die Micro-OLED-Technologie ermöglicht auch eine kompaktere Bauweise im Vergleich zu herkömmlichen LCD-Displays. Da die Panels bei gleicher Auflösung kleiner sind, kann das optische System neu gestaltet werden, um die Frontbelastung des Headsets zu reduzieren. ByteDance hat bestätigt, an einem leichteren Design zu arbeiten, auch wenn das genaue Gewicht noch nicht bekannt gegeben wurde.
Pico OS 6 und Positionierung gegenüber dem Apple Vision Pro
Das Betriebssystem Pico OS 6 begleitet diese neue Hardware. Die Benutzeroberfläche ist auf räumliche Realität ausgerichtet, mit einem Fokus auf Produktivität und das Management virtueller Fenster im physischen Raum des Benutzers. Diese Softwarewahl bestätigt, dass das Pico Space Pro nicht nur VR-Spieler anspricht.
Im Vergleich zum Apple Vision Pro erfolgt die Positionierung auf mehreren Achsen:
- Der doppelte Chip mit einem hauseigenen Wahrnehmungs-Coprozessor, während Apple ebenfalls eine biprozessor Architektur (M2 + R1) verwendet, um Rendering und räumliches Tracking zu trennen
- Micro-OLED-Panels mit vergleichbarer Dichte, mit dem Ziel einer ausreichenden Schärfe für Büroarbeiten in Mixed Reality
- Ein unterschiedliches Software-Ökosystem, das auf ByteDance und seinem Anwendungskatalog basiert, im Gegensatz zur Apple-Integration mit macOS und iOS
Der wesentliche Unterschied liegt im Preis. Auch wenn Pico noch keinen endgültigen Preis bekannt gegeben hat, bedeutet die Premium-Positionierung nicht unbedingt einen Preis auf dem Niveau des Apple Vision Pro. ByteDance hat die Möglichkeit, Hardware durch seine Werbeeinnahmen und digitalen Plattformen zu subventionieren, ein Hebel, den Apple nicht nutzt.
Veröffentlichungsdatum des Pico Space Pro: Verschiebung auf das vierte Quartal 2026
Die offizielle Ankündigung war ursprünglich für den 3. September 2026 in Peking geplant. Pico hat dieses Ereignis verschoben und den Start auf das vierte Quartal 2026 verschoben. Der angegebene Grund: zusätzliche Softwareanpassungen vor der Markteinführung.
Diese Verschiebung ist nicht unerheblich. Pico hat parallel sein Early Access-Programm (Pioneer Experience Program) erweitert, indem es Vorserieneinheiten an ein breiteres Panel von Testern versendet hat. Diese strukturierte Beta-Phase, mit echtem Material im Umlauf, ermöglicht es, Rückmeldungen aus der Praxis vor dem kommerziellen Start zu sammeln.
Die Verschiebung auf Q4 2026 platziert das Pico Space Pro in einem stark umkämpften Wettbewerbsfenster. Samsung bereitet die europäische Einführung des Galaxy XR unter Android XR vor, Valve hält seine Ambitionen mit dem Steam Frame aufrecht, und Meta iteriert weiterhin an seiner Quest-Reihe. Der endgültige Zeitplan wird auch von der Verfügbarkeit der Micro-OLED-Komponenten abhängen, einer Technologie, deren Massenproduktion eine industrielle Herausforderung bleibt.

Der Übergang vom Namen Pico 5 zu Pico Space Pro stellt einen bewussten Bruch mit der Logik der inkrementellen Nummerierung dar. ByteDance versucht nicht mehr, ein etwas besseres VR-Headset für den Massenmarkt zu verkaufen: Die Marke entwickelt ein High-End-Mixed-Reality-Gerät mit einer proprietären Hardware-Architektur und einem neu gestalteten Betriebssystem. Die kommenden Wochen, in denen die Early Access-Tester ihre Rückmeldungen teilen, werden zeigen, ob die technische Ambition im Gebrauch bestätigt wird.



